»Das Gegengift zu Einsamkeit ist nicht das wahllose Zusammensein mit irgendwelchen Leuten. Das Gegengift zu Einsamkeit ist Geborgenheit.«Vom Ende der Einsamkeit
»Das Leben ist kein Nullsummenspiel. Es schuldet einem nichts, und die Dinge passieren, wie sie passieren. Manchmal gerecht, so dass alles einen Sinn ergibt, manchmal so ungerecht, dass man an allem zweifelt. Ich zog dem Schicksal die Maske vom Gesicht und fand darunter nur den Zufall.«Vom Ende der Einsamkeit
»Um sein wahres Ich zu finden, ist es notwendig, alles infrage zu stellen, was man bei der Geburt vorgefunden hat. Manches davon auch zu verlieren, denn oft lernt man nur im Schmerz, was wirklich zu einem gehört… Es sind die Brüche, in denen man sich erkennt.«Vom Ende der Einsamkeit
»Es gab Dinge, die ich nicht sagen, sondern nur schreiben konnte. Denn wenn ich redete, dann dachte ich, und wenn ich schrieb, dann fühlte ich.«Vom Ende der Einsamkeit
»Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.«Vom Ende der Einsamkeit
»Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetze.«Vom Ende der Einsamkeit
»Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.«Vom Ende der Einsamkeit
»Ich habe in meinem Leben bestimmt tausendmal an diesen letzten Kuss und die letzte Umarmung mit ihr gedacht, an ihren Geruch und an ihre beruhigende Stimme. Ich habe so oft daran gedacht, dass ich nicht mehr sicher bin, ob es wahr ist.«Vom Ende der Einsamkeit
»In meinem Innern ahnte ich, dass ich vom Weg abgekommen war. Das Problem war nur, dass ich nicht wusste, wann und wo. Ich wusste nicht mal mehr, von welchem Weg.«Vom Ende der Einsamkeit
»Dabei wirkte es stets, als erfüllte sie nur die Anweisungen eines unsichtbaren Kameramanns. Noch ein strahlendes Lächeln, perfekt, jetzt eine kleine Schnute, ein kurzer, flirtender Blick. Wenn sie einen ansah, war es, als richtete sich ein Scheinwerfer auf das eigene Selbst, und man wollte nur noch, dass man ihr gefiel. Selbst ich wollte das.«Vom Ende der Einsamkeit
»Nur noch das dumpfe Mahlen der Stadt war in der Ferne zu hören, und allein hier draußen wurde mir mit einem körperlichen Schmerz bewusst, dass ich meine Zeit nicht genutzt hatte. Um Minuten gekämpft, wenn es darum ging, einen Bus noch zu erreichen. Jahre verschwendet, weil ich nicht das getan hatte, was ich wollte.«Vom Ende der Einsamkeit
»Das hier ist alles wie eine Saat. Das Internat, die Schule, was mit meinen Eltern passiert ist. Das alles wird in mir gesät, aber ich kann nicht sehen, was es aus mir macht. Erst wenn ich ein Erwachsener bin, kommt die Ernte, und dann ist es zu spät.«Vom Ende der Einsamkeit
»Und sobald jemand Gefühle für sie entwickelte, hatte sie ihn schnell wieder verstoßen. Als wäre etwas in ihr zu Scherben zerfallen, die jeden verletzten, der ihr zu nahe kam.«Vom Ende der Einsamkeit
»Dass ich meine Jugend in einem Heim verbracht hatte, überraschte sie kaum: „Als ich dich das erste Mal essen und alles wie verrückt in dich reinschlingen sah, dachte ich nur: Knast oder Internat.«Vom Ende der Einsamkeit
»Nie den Mut gehabt, sie zu gewinnen, immer nur die Angst, sie zu verlieren.«Vom Ende der Einsamkeit
»In Wahrheit sind all diese Nihilisten und Zyniker Schisser. Sie tun so, als wäre alles bedeutungslos, denn dann gibt es am Ende auch nichts zu verlieren. Ihre Haltung scheint unangreifbar und überlegen, aber sie ist im Innern auch nichts wert.«Vom Ende der Einsamkeit
»Sieh dich an, dachte ich, was sehnst du dich in Gesellschaft so oft danach, allein zu sein, wenn du das Alleinsein kaum noch aushältst?« Vom Ende der Einsamkeit
»Plötzlich hörte ich aus allem, was sie gesagt hatte, den Refrain ihrer Jugend heraus, ein leises: Ich bin nicht gut genug.«Vom Ende der Einsamkeit
»Längst konnte ich an der Haltung ihrer Schultern erkennen, ob sie angespannt war, die Art, wie sie die Tür angelehnt hatte, verriet hingegen, dass sie Gesellschaft wünschte. Da war eine Vertrautheit zwischen uns, die unendlich schien; wie zwei Spiegel, die einander spiegelten.«Vom Ende der Einsamkeit
»Stark im Ei.«Vom Ende der Einsamkeit
„Später schmückten wir gemeinsam mit unserer Tante das Wohnzimmer, im Radio liefen Chansons, und für einen Moment war es wie früher, nur dass zwei Menschen fehlten. Es war wie früher, nur dass nichts mehr wie früher war.“Vom Ende der Einsamkeit
»Die Stimmung war ausgelassen, die Sommerferien warteten, und viel weiter dachte sowieso keiner von ihnen. Wie jung und enthusiastisch sie noch sind, dachte Beck. Fast alle hatten in ihrem Leben noch keine schwierigen Entscheidungen treffen müssen. Vielleicht war das die grausamste Wahrheit. Das Älterwerden würde sie dazu zwingen, Fehler zu machen und abzustumpfen, es würde ihre Träume nach und nach zurechtstutzen, bis sie in jede noch so gewöhnliche Existenz hineinpassten.«Becks letzter Sommer
»Es lag wohl einfach an der unschuldigen Art, mit der Rauli seine Geschichten erfand. Er erzählte sie so, dass man sie glauben wollte. Es war wie Magie, wie kunstvolle Verführung. Raulis Lügen hatten die längsten Beine der Welt.«Becks letzter Sommer
»Beck ging öfter mit Referendaren weg, um sich jung vorzukommen. Er hatte ohnehin das Gefühl, noch immer in den Zwanzigern zu stecken – der älteste Twen der Welt. Er war nicht siebenunddreißig, sondern siebzehnundzwanzig.«Becks letzter Sommer
»Erst beim Lehrerfußball taute er wieder auf. Wie immer spielte Alt gegen Jung. Beck gehörte mit seinen siebenunddreißig gerade noch zu den jungen Lehrern, doch er fürchtete sich schon jetzt vor dem Tag, an dem er die Seiten würde wechseln müssen. Die Teams würden nicht mehr aufgehen, und irgendwann würde ein älterer Kollege plötzlich sagen: »Der Robert kann doch bei uns mitspielen.« Und ab diesem Moment wäre er dann alt.«Becks letzter Sommer
»Sein gutes Aussehen öffnete ihm Türen, die sein Charakter wieder schloss.«Becks letzter Sommer
»Dann wandte er sich zu Rauli, der wie unbeteiligt herumstand. »Ich hatte dir doch gesagt, dass du im Wagen bleiben sollst.« »Na ja, hab ich auch gemacht, Herr Beck. Aber dann ich hab gesehen, dass man Sie und diese Frau angreift. Was soll ich machen?« »Vielleicht erst drohen und dann schießen, nicht umgekehrt.«Becks letzter Sommer
»I know you‘re a cheater, But you’re not a liar at all, I can see the bitterness In your smile.«Becks letzter Sommer
»Auf einmal hielt er es nicht mehr aus. Er stand ruckartig auf, wollte irgendwas tun, irgendwas verändern. Seine Fäuste waren geballt. Da war so viel Wille. Eine Weile stand er einfach nur so da und wollte. Dann setzte er sich wieder hin und sah fern.«Becks letzter Sommer
»Wer ist der glücklichere Künstler? Der, der es nie probiert hat? Oder der, der es versucht hat und gescheitert ist?«Becks letzter Sommer
»Vergiss es einfach«, sagte er noch mal. Kurze Zeit später fuhren ein liebeskranker Lehrer, ein manisch-depressiver drogensüchtiger Deutschafrikaner und ein litauisches Wunderkind mit einem gelben vw die Autobahn entlang.Becks letzter Sommer
»Und was die anderen Menschen angeht: Die sehen wahrscheinlich immer glücklicher aus, aber Sie sind ja auch nie dabei, wenn die ihre Wohnung aufschließen und sich mit einem Seufzer allein aufs Sofa fallen lassen. Man kann dieses Loch in sich nun mal nicht füllen. Man muss einfach lernen, damit zu leben.«Becks letzter Sommer
»Beck starrte auf die Straße. Fuhr er wirklich diesen knallgelben hässlichen 80er-vw Passat, mit dem Ziel, Charlies kranke Mutter in der Türkei zu retten? Wer waren er und Charlie überhaupt? Zwei Ansammlungen von Molekülen, die in Begleitung einer jungen Ansammlung von Supermolekülen, Rauli, mit einer anders aufgebauten Ansammlung von Molekülen, dem Wagen, auf einer passiven Ansammlung von Molekülen, der Straße, zu einer Ansammlung von defekten Molekülen, der kranken Mutter, fuhren.«Becks letzter Sommer
»Wer gedankenbegabt ist, ist auch gedankengefährdet.«Becks letzter Sommer
»Sie sind hier, weil Sie keine Entscheidungen treffen. Und das ist schlecht. Denn wenn Sie es nicht tun, dann tut’s das Leben für Sie. Und das Leben trifft oft die schlechteren Entscheidungen, weil es Schwäche und Zögern bestraft. Die Welt ist für die Mutigen gemacht, der Rest schwimmt nur mit, die meisten gehen dabei unter. Die Frage ist also: Sind Sie wenigstens ein guter Schwimmer? Denn das müssen Sie sein, wenn Sie keine Entscheidungen treffen wollen.«Becks letzter Sommer
»Der Punkt war nur, dass jeder hier draußen irgendwann dieses bestimmte Gefühl bekam. Manche mit zwölf, andere mit sechzehn, einige hatten es auch schon von Geburt an. Dieses Gefühl, dass man niemals von hier wegkommen würde.«Fast genial
»Francis und seine Mom waren dagegen in Claymont gelandet. In einer laut Prospekt »unterschätzten und aufstrebenden Stadt im Herzen New Jerseys«, oder anders gesagt: am Arsch der Welt.«Fast genial
»Objektiv gesehen ist der Tod das Beste, was den Menschen passieren konnte. Er zwingt sie, sich dem Leben zu stellen, jede Sekunde davon zu genießen und sich zu verwirklichen. Er ist das einzig richtige Ende, notwendig und ein starker Antrieb.« Er machte eine Pause. »Subjektiv gesehen ist der Tod natürlich scheiße.«Fast genial
»Anders als seine Eltern aß Grover nichts, er trank nur Saft. Er schien das Essverhalten einer Boa constrictor zu haben. Er fastete zwei, drei Tage, dann fraß er auf einen Schlag wahnsinnig viel, gleich mehrere Pizzen oder Steaks, und die verdaute er dann wieder tagelang.«Fast genial
»Er sah wieder weg und dachte daran, wie sie gesagt hatte, er solle sich keine Hoffnungen machen und sich nicht in sie verlieben. Und wie sollte das gehen?«Fast genial
»Sie tanzte schlangenhaft, grazil, mysteriös, ihre schwarzen Haare flogen hin und her. Francis und Grover schauten ihr wie hypnotisiert zu. Wenn Anne-May ihnen jetzt befohlen hätte, eine Bank auszurauben, ihr das Geld zu geben und sich danach selbst zu erhängen, sie hätten es getan.«Fast genial
»Was würde aus diesen unbedeutenden, aber für ihn so wichtigen Momenten werden? Niemand kannte seine Gedanken und Erinnerungen. Wenn er starb, würden sie vergessen werden, und ein paar Erdumdrehungen später würde es sein, als hätte es sie nie gegeben. Alles würde verlorengehen, auf dem Flug durchs All.«Fast genial
»Sie zog sich um und nahm auch ihre Piercings raus. Francis fand, dass sie besser aussah als je zuvor. Wie ein liebes, unglaublich hübsches Mädchen von nebenan. Die Sorte Mädchen, die normalerweise eben nie nebenan wohnen.«Fast genial
»Das Wichtigste ist, dass du deine ganzen beschissenen Träume und Hoffnungen packst und sie nie mehr loslässt«, hatte er gesagt. »Du kannst schreien, du kannst verzweifeln, du kannst winseln. Doch selbst wenn du schon kaum mehr an dich glaubst, du darfst sie nicht loslassen. Denn wenn du’s tust, dann ist’s aus, Kleiner. Ab dem Zeitpunkt ist dein Leben vorbei. Dann kannst du zwar noch jahrelang durch die Welt wandeln, aber innerlich bist du längst tot… so wie die meisten hier.«Fast genial
»Ihm fiel auf, dass man mal wieder die Sterne sehen konnte. Aber auch das waren nur Lügen. Viele dieser Sterne am Himmel gab es nicht mehr, sie waren schon vor Millionen von Jahren verglüht. Hier unten waren sie ewig hintendran, und vermutlich gab es auch die Erde nicht mehr, und sie wussten es nur noch nicht.«Fast genial
»Wichtig war nur, dass ich nicht mehr stillstand, dass ich mich den Dingen wieder stellte, egal was aus mir werden würde. Denn alles andere wäre falsch, denke ich, unecht, irgendwie so, wie wenn man verrauchte Luft einatmet. Man kann damit leben, aber es ist nicht das Wahre, man atmet nicht so tief ein, wie man könnte.«Spinner
»Berlin ist eine fiese Sau.«Spinner
»Die Nacht ist keine Zeit. Die Nacht ist ein Ort.«Spinner
»Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.«Spinner
»Alles ging so schnell vorbei, nie wusste man sein Glück zu schätzen, immer erst hinterher. Altbekanntes Zeug. Das Leben war nicht besonders einfallsreich. Es brachte immer den gleichen Trick, und trotzdem fiel jeder drauf rein.«Spinner
»Hätte ich beim Schreiben nur nicht so viel gesoffen! Andererseits war es ein großes Werk, da konnte es schon mal vorkommen, dass ein paar Szenen noch mal überarbeitet werden mussten. Und Hemingway hatte ja auch gesoffen.«Spinner
»Er hatte einfach diese abgefuckte Coolness, die man nicht spielen kann. Die nur erwirbt, wer schon unzählige Male bis zum Morgen in Clubs abgehangen und sich dabei immer neue Wunden zugefügt hat. Tanzend und koksend und hart gegen sich selbst. Gustav hatte die Narben der Nacht. «Spinner
»Mein Gott, dachte ich, als sie mich mit leuchtenden Augen ansah, wärst du doch nur halb so gut wie in deinen Lügengeschichten. Das war natürlich alles am Rande der Legalität, das wusste ich, aber auf der anderen Seite waren im Krieg und in der Liebe alle Mittel erlaubt, das hatte ich zumindest mal gelesen.«Spinner
»Ich war allein in der Wüste, über mir flogen die Geier, und alle Wetten standen gegen mich. Ich war der Totgesagte.«Spinner
»Die ersten Autos kamen angefahren und hupten, während ich noch mitten auf der Straße war. Nicht, dass ich es darauf anlegte, dass ich überfahren wurde, aber ich ließ es ein bisschen mehr als sonst darauf ankommen.«Spinner
»Er meinte irgendwann, die Musik wäre früher besser gewesen. Aber nichts war früher besser, dachte ich, gar nichts. Er war damals nur jünger.«Spinner
»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.«Spinner
»Ich wusste nur, dass ich das ganze letzte Jahr ziemlich nah am Abgrund gewesen war. Doch es gibt Fehler, die notwendig sind. Manchmal muss man ein kleines bisschen sterben, um wieder ein wenig mehr zu leben.«Spinner
»Ich hatte den Tod ohnehin noch nicht verdient, ich konnte ihn doch gar nicht bezahlen, denn er kostete das Leben, und davon hatte ich noch viel zu wenig.«Spinner
»Es ist der Fluch der Jugend, dass man glaubt, ständig zu leiden. Doch wenn diese Zeit vorbei ist, stellt man verwundert fest, dass man sie geliebt hat. Und dass sie nie mehr zurückkommt.«Spinner