Debütant*innenball

Diese Woche war Welttag des Buches, und ich dachte, ich nehme das mal zum Anlass, um auf ein paar tolle neue Debüts hinzuweisen. Denn wie schon gesagt, trifft die Pandemie besonders hart jene Autorinnen und Autoren, die in den vergangenen Monaten ihr erstes Buch herausgebracht hatten, aber nicht die Chance hatten, damit auf Tour zu gehen, sich einen Namen zu machen, Messen zu besuchen, Kontakte zu knüpfen. Hinzu kommen je nach Region immer wieder geschlossene Buchhandlungen. Eine unfaire Situation Denn wie schon letztes Jahr mit unter anderem „Nach vorn, nach Süden“ von Sarah Jäger und „Hawaii“ von Cihan Acar, gibt es auch in diesem wieder hervorragende Debüts. Zum Beispiel:

 

FANG DEN HASEN

Bei Zoom-Lesungen habe ich öfters Buchhändler:innen gefragt, welches Debüt sie empfehlen. Immer wieder fiel Lana Bastašićs „Fang den Hasen“, das sei wirklich „ein großartiges Buch“ – und ich kann mich nach dem Lesen nur anschließen. Was für eine beeindruckende, wuchtige, auch poetische Geschichte: Sara hat es sich in ihrem neuen Zuhause Dublin bequem eingerichtet, als sie ein Anruf ihrer Jugendfreundin Lejla aus Bosnien erreicht, der alte Wunden aufreißt. Auf einem gemeinsamen Road Trip von Mostar nach Wien geht es um die Vergangenheit ihres Landes, das Scheitern ihrer einst so engen Freundschaft, über Identität in Zeiten des Krieges und die Frage, wer man eigentlich ist, wenn man seine Heimat verlassen hat. Die Erzählstruktur ist ambitioniert, geht aber großartig auf, und die Protagonistinnen erinnern auf beste Weise an Elena Ferrantes Duo. Das Ende habe ich immer noch im Kopf.

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NUR VOM WELTRAUM AUS IST DIE ERDE BLAU

Björn Stephan beleuchtet in seinem Debüt eine Siedlung in Ostdeutschland Anfang der 90er: Der introvertierte Sascha Labude wirkt zu Beginn des Sommers verloren. Das Land seiner Kindheit gibt es längst nicht mehr, die einst stolze Nachbarschaft verfällt zunehmend. Sein bester Freund Sonny versucht sich als neuer Elton John, droht aber zu scheitern. Sein Vater dagegen ist seit der Wende zunehmend verstummt. Vielleicht sammelt Sascha auch deshalb einzigartige und besondere Worte aus anderen Sprachen. Als die rebellische und schlaue „Juri“ neu in seine Klasse kommt, scheinen sich die Dinge endlich zu ändern, aber das Glück dieses Sommers ist fragil. Eine zarte, feinfühlig beobachtete, tolle Geschichte fernab aller DDR-Klischees.

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MARIANENGRABEN

Bei Jasmin Schreibers Debüt bin ich gerade bei der Hälfte. Es wurde mir mehrmals empfohlen, und bisher gefällt es mir ebenfalls sehr gut. Kann man zu viel trauern?  Das fragt sich Paula, die ihren zehnjährigen Bruder verlor und mit ihm ihren Lebenssinn. Zu Beginn des Buchs hat sie eine schwere Depression, vergleichbar mit der Tiefe und Dunkelheit des Marianengrabens. Doch die Begegnung mit dem Witwer Helmut, der schon über achtzig ist und sie kurzerhand auf eine Reise mitnimmt, könnte ihr Leben verändern. Ich bin wie gesagt erst mittendrin, aber schon jetzt beindruckt und berührt von Jasmin Schreibers Leistung, das Schwierige leichthändig zu schildern und für etwas Worte zu finden, für das es eigentlich keine Worte gibt.

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IMMER NOCH WACH

Auch hier bin ich bei ungefähr der Hälfte und begeistert. Fabian Neidhardt schildert die Geschichte des 30jährigen Alex, der sich nach einer niederschmetternden Diagnose zum Sterben in ein Hospiz zurückzieht – doch dann nimmt die Handlung eine unvermutete Wendung. Klingt deprimierend, aber das Buch ist bis jetzt unglaublich rasant erzählt, man kann kaum aufhören umzublättern. Was erstaunt, denn wie schon Jasmin Schreiber richtet auch Neidhardt sein Licht auf ein Thema, das wir alle nur zu gern ignorieren. Doch er tut es auf eine schnörkellos klare, stringent erzählte Art, die beeindruckt. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

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JUNGE FRAU AM FENSTER STEHEND, ABENDLICHT, BLAUES KLEID

Kurze Frage: Gibt es in diesem Frühjahr einen besseren Titel für einen Roman als in Alena Schröders Roman? Allein schon deshalb musste dieses Buch hier einfach noch rein. Vor allem aber freue mich sehr auf diese Geschichte, nachdem ich nur Gutes gehört habe, nicht zuletzt in „Druckfrisch“ aus dem Mund von Denis Scheck. Ich bin sehr gespannt aufs Lesen.

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Das mal meine Debüttipps von diesem Jahr, ich freue mich auf eure auf Facebook. Und im Idealfall kann man mit einem Kauf beides unterstützen: Ein Debüt aus diesem Jahr und eine stationäre Buchhandlung.

Und wer direkt Künstler*innen in Not helfen möchte, kann das auch immer hier tun.