Hard Land Buchstart / Zunächst kein e-Book und eine Bitte

Seit heute ist HARD LAND im Handel, vor Aufgregung habe ich letzte Nacht kaum geschlafen. Die Idee zum Buch hatte ich vor ungefähr dreizehn Jahren auf meiner ersten Reise durch Amerika, und die letzten fünf, sechs davon habe ich dann fast täglich in Grady, Missouri im Jahr 1985 verbracht. Während der erste Teil des Buchs eine Hommage an John Hughes-Filme der 80er wie „Breakfast Club“ ist, war die zweite Hälfte das für mich vielleicht größte Glück, das ich bisher beim Schreiben hatte. Nie war ich näher an dem, was ich machen wollte, nie hatte ich stärker das Gefühl, dass ich so sehr die für mich richtigen Worte fand wie hier, auch wenn es manchmal aufgrund des Themas nicht einfach war. Umso mehr hoffe ich, dass euch die Geschichte gefallen wird.

 

Ich muss zugeben, wenn man so lange an etwas schreibt und dann feststellt, dass die Buchhandlungen bei Erscheinen erst mal geschlossen sein werden, zuckt man kurz. Doch danach wollte ich erst recht nicht verschieben. Denn zum einen ist schließlich der Job von Autoren, in diesen Zeiten falls möglich Ablenkung anzubieten (wie sehr habe ich in den letzten tristen Monaten von Büchern, Filmen und Serien profitiert). Und zum anderen: was sollen dann erst Debütant:innen sagen, die gerade ihr erstes Buch herausbringen und denen die Chance auf eine Tour durch die Pandemie genommen wurde?

Deshalb eine Bitte: fragt doch eure Buchhandlung einfach mal nach neuen (Debüt)-Romanen von jungen Autorinnen und Autoren, ich wette, sie haben eine Menge gute Tipps. Und vor allem: bitte kauft eure Bücher dort, denn gerade in Corona-Zeiten ist es wichtig, den stationären Buchhandel zu unterstützen. Ob geschlossen oder nicht: sie liefern genauso schnell wie der Onlinehandel, sind immer erreichbar und freuen sich über jeden Auftrag. Oder in anderen Worten: Lesen ist das Kino der Pandemie, und eure Buchhandlung wird euch mit allem versorgen, was ihr dafür braucht!

Aus diesem Grund wird es zu HARD LAND* auch diesmal zum Start kein e-Book geben, da man letztere eben nun mal nicht im Einzelhandel, sondern meistens online kauft – und wir wissen alle, wo. And they don’t need more money. (**Ausführlichere Begründung weiter unten, auch, wieso mir dieser Schritt nicht leicht fiel und was ich daran kritisch sehe.)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bei der Suche nach den 49 Geheimnissen. Das Hörbuch, großartig gelesen von Robert Stadlober, kommt dann am 28. April.

Anm.: Das Foto entstand gestern in der Schweiz, das Licht war aufgrund des Saharawinds wirklich so eigentümlich. Copyright und Dank an: Roger Eberhard

*Klappentext: »… und ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben lang fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich.«

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden.

Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Homepage mit Trailer

** Folgendes schrieb mir jemand auf Facebook:

… Ich finde es bedauerlich, dass es (zumindest vorläufig) keine Veröffentlichung als E-Book geben wird. Die verschiedenen Möglichkeiten, die E-Reader heute bieten, die Darstellung eines digitalen Buches zu beeinflussen (Schriftgröße/-art/-stärke, Zeilenabstände, Ränder, Beleuchtung, invertierte Darstellung etc.) können für Menschen mit einer Sehbehinderung extrem hilfreich oder gar essenziell sein. Auch für Menschen mit motorischen Einschränkungen kann die Nutzung eines E-Readers sehr hilfreich sein, verglichen zur gedruckten Ausgabe. Insofern bieten E-Books ihren Beitrag zu dem, was heute gemeinhin unter dem Begriff BARRIEREFREIHEIT zusammengefasst wird. Die Entscheidung gegen E-Book ist mir unverständlich, und ich empfinde die Argumentation eher als belehrend.

Meine Antwort:

Lieber …, Sie glauben nicht, wie wichtig mir Ihr Kommentar ist. Ich habe ewig über diese Entscheidung gegrübelt, und ich kann sowohl Ihre Kritik als auch Ihre Enttäuschung nicht nur nachvollziehen, sondern stimme allem auch zu. Sie haben Recht, und das muss ich aushalten. Es ist nur eben eine Catch 22 Situation. Unterstütze ich mit diesem Zeichen die Buchhandlungen, mit dem Preis, dass manche Leser:innen noch eine gewisse Zeit auf das Lesen warten müssen (das e-Book kommt ja, nur nicht jetzt sofort)? Oder verrate ich schweren Herzens meine Ideale und ermögliche das Buch sofort allen? Es gibt leider keinen Mittelweg. Was ich Ihnen anbieten kann, ist meine Sicht. Als ich ein Teenager oder Anfang zwanzig war, starben alle meine geliebten Plattenläden. Wirklich alle, fertig aus. Ich habe mir geschworen, dass ich zumindest – falls mir möglich – dafür kämpfen werde, dass es den Buchhandlungen nicht auch so geht. Also gab es zehn Jahre lang sogar gar keine e-Books. Ich wollte nie belehren, das möchte ich auch jetzt nicht. Aber ich wollte tatsächlich durch eine eher unpopuläre, sperrige Entscheidung das Bewusstsein dafür wecken, dass man um die Buchhändlungen kämpfen muss – und dass e-Books nun mal meistens bei Amazon und Co. online gekauft werden. Deshalb die Frage: wo hätten Sie das e-Book denn gekauft, wirklich in einer Buchhandlung? Die Mehrheit kauft es jedenfalls bei Amazon und im online Handel. Wäre das anders, würde ich sofort e-Books zum Start freigeben, auch wenn ich persönlich tatsächlich auch sehr am haptischen, gedruckten Buch hänge. Aber ich verstehe Ihre Einwände wahnsinnig gut, und ich leide sehr bei dem Gedanken, kurzfristig jemanden auszuschließen. Wegen Kommentaren wie Ihrem gibt es die e-Books nun auch immer zum Taschenbuch, und vielleicht mache ich es mit Absprache mit dem Verlag nun diesmal früher. Aber es gibt ja auch das Hörbuch als Alternative immer schon zum Start (wegen einer Neu-Aufnahme hat es sich nun bis April verzögert, das war so nicht geplant). Ich möchte jedenfalls dieses Zeichen für den stationären Buchhandel setzen, und das wirkt mit einer Tat nun mal tausendmal stärker als mit netten Worten. Denn ich erreiche ja nicht alle Leser mit solchen Posts, sondern nur einen kleinen Teil. Die Idee war eher: jemand stutzt, dass es keine e-books gibt, schaut dann nach, findet meine Erklärung und denkt sich (zurecht): “Der Autor ist ja ein Idiot” – wird aber tatsächlich auch darauf gestoßen, dass Buchhandlungen gerade ums Überleben kämpfen. Vor allem auch jetzt in Pandemie-Zeiten. Deshalb wollte ich im Moment nicht davon abrücken. Ich hoffe, man kann diese Entscheidung – genauso wie ihren Einwand – zumindest ein bisschen verstehen, das spiegelt sich zu meiner Erleichterung zumindest in manchen anderen Kommentaren wider. Leicht fällt mir das alles aber nicht, und ich verzichte ja auch auf einen Haufen Geld bei zurzeit 12 Prozent e-Book-Umsätzen pro Buch und einer ungleich höheren Beiteiligung an ebendiesen im Vergleich zum HC. Ich versuche “das Richtige” zu machen, und ich bin in einer Situation, in der es das leider nicht gibt. Aber in der Pandemie und bei den Krisen im Einzelhandel schwenkte das Pendel nun noch mal so aus. Bitte seien Sie aber versichert, dass ich mir Ihre Einwände sehr zu Herzen nehmen und mir mit dem Verlag überlegen werde, wie wir das in Zukunft machen, um so nah wie möglich an einen eigentlich unmöglichen Kompromiss zu kommen.